Fahrer-Assistenz-Systeme

Fahrerassistenzsysteme für Lkw und Reisebusse senken die Unfallrate und erhöhen die Verkehrssicherheit. Dennoch zählen sie bislang nicht zur Serienausstattung schwerer Nutzfahrzeuge.

Mit der Kampagne "SICHER. FÜR DICH. FÜR MICH." warben die Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft, der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung e.V. und die KRAVAG-Versicherungen in den Jahren 2008 – 2012 für eine höhere Verbreitung und Akzeptanz modernen Sicherheitssysteme. Dies geschah auf mehreren Ebenen:

  • Über 2 Millionen Euro wurden zur Verfügung gestellt, um die Ausstattung neuer Lkw und Reisebusse mit Fahrerassistenzsystemen zu fördern.
  • Über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit sollten alle Verkehrsteilnehmer mit den Eigenschaften und Vorzügen von Fahrerassistenzsystemen vertraut gemacht werden.
  • Auf politischer Ebene strebten die Initiatoren der Kampagne eine verbindliche europäische Ausrüstungsvorschrift für alle neuen Lkw und Reisebusse mit Fahrerassistenzsystemen an.
  • Die gesammelten praktischen Erfahrungen mit den geförderten Fahrzeugen mit den geförderten Fahrzeugen sollten dazu beitragen, die Systeme weiter zu verbessern und damit deren Akzeptanz zu erhöhen.

Der Notbrems-Assistent hilft dem Lkw-Fahrer, sein Fahrzeug in kritischen Situationen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Das System nutzt die Sensorik des Abstandsregeltempomaten. Mit Hilfe der eingebauten Radarsensoren überwacht es kontinuierlich den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.

Der Notbrems-Assistent hilft dem Lkw-Fahrer, sein Fahrzeug in kritischen Situationen rechtzeitig zum Wird der Abstand zu gering, erfolgt zunächst eine optische und akustische Warnung des Fahrers. Greift der Fahrer nicht ein, wird das Fahrzeug automatisch mit einer Leistung von etwa 20 % abgebremst. Nimmt der Abstand weiterhin ab und zeigt der Fahrer noch immer keine Reaktion, wird das Fahrzeug mit der höchstmöglichen Bremsleistung abgebremst – es erfolgt die sog. "Notbremsung".

Als erster Hersteller kam Mercedes Benz mit dem ABA (Active Brake Assist) auf den Markt. Wabco stellte auf der IAA 2008 ein System vor, das auch stehende Objekte erkennen kann; dieses soll ab 2010/2011 auf den Markt kommen.

Notbremsassistent, Quelle: Mercedes Benz

Der Notbrems-Assistent erhöht vor allem auf Autobahnen die Verkehrssicherheit. Wenn sich aus langsam fließendem Verkehr ein Stau entwickelt und der Fahrer die Gefahrensituation nicht rechtzeitig erkennt, greift das System ein und kann auf diese Weise Leben retten.

Der Abbiegeassistent warnt den Lkw-Fahrer beim Abbiegen an Kreuzungen vor Fußgängern und Radfahrern, die sich im Gefahrenbereich aufhalten.

Ultraschallsensoren, die an der rechten Außenseite des Lkw verbaut sind, werden aktiv, wenn der Lkw an einer Kreuzung oder Ampel zum Anhalten kommt. Die Sensoren vermessen das Umfeld des Fahrerhauses und bestimmen die Abstände zu anderen Verkehrsteilnehmern. Nähert sich beispielsweise ein Fußgänger dem Fahrzeug, wird die Verringerung des Abstands erkannt und es erscheint ein optisches Signal auf der Beifahrerseite in der Nähe des Außenspiegels. Fährt der Lkw-Fahrer wieder an, obwohl sich noch ein Objekt in der Gefahrenzone nahe am Lkw befindet, wird er zusätzlich durch ein akustisches Signal vor der Kollisionsgefahr gewarnt. Der Lkw-Hersteller MAN wurde für die Entwicklung dieses Assistenzsystems vom ADAC mit dem Mobilitätspreis 2007 ausgezeichnet.

Unfallstatistiken haben gezeigt, dass über 90 % der Kollisionen von Fußgängern oder Radfahrern mit einem Lkw im unmittelbaren Bereich vor dem Fahrerhaus und im vorderen rechten Seitenbereich des Fahrzeugs stattfinden. Genau diesen Bereich überwacht der Abbiegeassistent und trägt dadurch in hohem Maße dazu bei, das Unfallrisiko zu senken.

Der Abstandsregeltempomat kontrolliert den Abstand zum voraus fahrenden Verkehr.

Fahrer am Lenkrad
Der Abstandsregeltempomat, Quelle: Mercedes Benz
Wird ein kritischer Mindestwert unterschritten, warnt das System und passt Geschwindigkeit und Abstand automatisch durch Motorsteuerung und Bremsmanöver an.

Die Funktionsweise dieses Systems veranschaulicht dieser Film.

Der Spurhalteassistent ermittelt über ein optisches System kontinuierlich die Position des Fahrzeugs in der Spur.

LKW hält die Spur
Spurassistent, Quelle MAN Nutzfahrzeuge AG
Droht es die Fahrspur zu verlassen, warnt der Helfer den Fahrer über ein deutliches akustisches Signal.

Die Funktionsweise dieses Systems veranschaulicht dieser Film.

Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) greift in kritischen Fahrsituationen ein.

Fahrender LKW
Elektronisches Stabiltätsprogramm, Quelle: Iveco
Bei plötzlichen Ausweichmanövern etwa, oder auf schwieregem Untergrund wird durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder ein Unter- oder Übersteuern des Fahrzeugs verhindert und Schleuderbewegungen vermieden.

Die Funktionsweises dieses Systems veranschaulicht dieser Film.

 

Die Ergebnisse der Kampagne sowie statistische Hintergrundinformationen zum Unfallgeschehen können Sie über die nachfolgenden Links abrufen.

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