Bootsvermietungen/Wassersportschulen

Arbeitssicherheit in Bootsvermietungen und Wassersportschulen

In den nächsten Wochen geht es wieder los. Zur Vorsaison müssen Boote, Yachten und andere Wasserfahrzeuge für die Schulung und den Charter- oder Verleihbetrieb gerüstet sein.

Zur Vorbereitung auf die kommende Saison gehört viel Arbeit, die die Kundschaft – Freizeitkapitäne und solche, die es noch werden wollen - nicht sieht.

Im Winter lagen Marinas und Liegestellen verweist da oder waren wegen der Wetter- und Wasserverhältnisse sogar demontiert und an Land aufbewahrt. Die eine oder andere Segelschule oder Charterbasis musste gar ihre mobilen Lagerräume mitsamt Equipment in hochwassersichere Bereiche transportieren. Jetzt geht es wieder an den Aufbau für das neue Jahr.

Gefährdungsbeurteilung erforderlich

Alle diese Arbeiten und die Arbeiten während der Saison müssen von den Unternehmern auf ihre Gefährdungen für die Mitarbeiter abgeklopft werden. Es muss also eine Gefährdungsbeurteilung gemacht werden.

Hierbei geht man die Tätigkeiten der Mitarbeiter (z.B. Ausgabe der Boote und Einweisung, Wartung u. Instandhaltung, Büroarbeit) oder die Arbeitsbereiche (z.B. Werkstatt, Bootssteg, Büro, (Segel-) Lager) am besten systematisch durch.

In der Gefährdungsübersicht, z.B. in dem „Sicherheits-Check - Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung - BG-Information 5161“, findet die Unternehmerin oder der Unternehmer eine Auflistung der Gefährdungen. Diese Auflistung erleichtert es, die verschiedenen Gefährdungen zu erkennen. Genannt sind zum Beispiel:

  • Mechanische Gefährdungen
  • Elektrische Gefährdungen
  • Gefahrstoffe
  • Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen
  • Psychische Faktoren und
  • Gefährdungen durch Pflanzen, Tiere oder andere Menschen.

Mechanische Gefährdungen

So gehören zu den „Mechanischen Gefährdungen“ unkontrolliert bewegte Teile wie ein wegrutschendes Boot beim Slippen oder das „Stolpern, Ausrutschen“ eines Mitarbeiters auf einem nassen Steg, der nicht ausreichend rutschhemmend ist und der mögliche Sturz in Wasser. Aber auch der bei Wind pendelnde Materialcontainer im Kran, der gerade wieder aufgestellt werden soll, kann sich unkontrolliert bewegen. Zu den mechanischen Gefährdungen gehören aber auch Teile mit gefährlichen Oberflächen z.B. Ecken und scharfe Kanten im Maschinenraum, bei Glasbruch, Holzsplitter, bewegte Transportmittel und beweglichen Arbeitsmittel (z.B. Bootswagen, Trailer oder Karren).

Sicher begehbare, rutschhemmend gemachte Wege ohne Stolperstellen, auf denen man auch die Transportmittel gefahrlos bewegen kann, sind in jedem Fall erforderlich. Stufen oder Absätze, die unvermeidlich sind, müssen als Gefahrstellen gekennzeichnet sein. Als persönliche Schutzausrüstung am Wasser ist auf jeden Fall die automatisch aufblasbare Rettungsweste zu benutzen, denn Ertrinken kann man nach einem Sturz auch in flachem Wasser.

Elektrische Gefährdungen

Bei den elektrischen Gefährdungen an den elektr. Anlagen oder Betriebsmitteln muss man sicherlich auch die elektr. Handwerkzeuge wie Schleif- und Bohrmaschine, die Bordinstallation auf den Yachten und die Stromtankstellen im Auge haben. Fehlerbehaftete Einrichtungen können hier sehr gefährlich werden. Die jährliche Prüfung und die Sichtkontrolle vor Benutzung der elektr. Werkzeuge und eine regelmäßige Überprüfung der elektrischen Anlage inklusive der Sicherungen und Schutzschalter bringen hier ein hohes Maß an Sicherheit. Gerade bei elektr. Einrichtungen am Wasser ist auf die richtige Schutzart zu achten. Z.B. IP 55, wenn im Bereich der Außensteckdosen auch mal mit dem Wasserschlauch gereinigt wird, also Strahlwasser auftritt. Lassen Sie Installationen und Reparaturen nur durch eine Elektrofachkraft machen und achten Sie beim Kauf neuer Gerate auf das VDE und GS-Zeichen.

Gefahrstoffe

Auch das Thema Gefahrstoffe ist nicht ohne. Ist doch der Umgang mit Epoxidharz, Lösemitteln, Farben und Abbeize bei der Reparatur von Booten oder bei der Wartung nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Spektrum der Gefahrstoffe. Auch Staub, der beim Fegen in der Bootshalle aufgewirbelt wird oder die Reinigung der Boote nach der Rückgabe sind Arbeiten, die man im Zusammenhang mit Gefahrstoffen betrachten muss. Dem Staub kann man gefahrlos durch Saugen oder mittels Feuchtreinigung zu Leibe rücken, während man beim Umgang mit den Gefahrstoffen schon auf eine gute Belüftung, für den Stoff geeignete Schutzhandschuhe und ggf. Atemmaske und Schutzanzug achten muss.

Werden die Boote im Winter in einer Halle gelagert und müssen dazu mit einer Zugmaschine bewegt werden, ist darauf zu achten, dass diese mit einem Elektro- oder Gasmotor betrieben werden.

Hier hat man dann auch gleich den fließenden Übergang zu den Biologischen Arbeitsstoffen, zumindest, wenn Fäkalientanks der Charterboote in der Heimatbasis geleert und ggf. instandgesetzt werden müssen. Hierunter fällt auch der Umgang mit möglicherweise infizierten Tieren wie Zecken (aus dem hohen Gras bei Mäharbeiten bzw. Pflege der Anlagen) oder Mäusen (bei der Abfallsammelstelle). Auch Ausscheidungen von Tieren wie Kot von Enten oder Möwen z.B. auf dem Anleger sind in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Beim Auftreten gefährlicher Algen, ist die Arbeitsweise am Wasser darauf abzustimmen.

Brand- und Explosionsgefährdungen sind in Sportbootschulen und bei der Vermietung bzw. Vercharterung von motorisierten Booten aufgrund des verwendeten Treibstoffs oder bei der Verwendung von Flüssiggas an Bord zu berücksichtigen.

Aber auch in den Landbereichen, z.B. bei Schweißarbeiten am Boot oder in der Werkstatt oder wenn andere entzündliche Stoffe gelagert und benutzt werden, können Brandgefahren auftreten. Leicht entzündbare Stoffe wie einige Farben und Lösemittel sind fachgerecht zu lagern und unnötiges entzündbares Material ist zu entfernen. Gefährliche Bereiche (z.B. Tanklager) sind u. a. mit Verboten von offenem Feuer, Licht und Zugangsverboten zu kennzeichnen.

Für die Brandbekämpfung sind die nötigen Feuerlöscheinrichtungen vorzuhalten, ein entsprechender Alarmplan aufzustellen und die Mitarbeiter entsprechend auszubilden bzw. einzuweisen.

Rauch- oder Hitzemelder sind für viele Bereiche vorgeschrieben. Sie haben schon vielen Leuten das Leben gerettet und sollten auch in Werkstätten und Lagerräumen nicht fehlen.

Zu den thermischen Gefährdungen gehört der Kontakt mit heißen oder kalten Medien, z.B. heißen oder kalten Oberflächen, wie der Flamme beim Schweißen, bei der Wartung der Maschinenanlage oder bei Arbeiten an der Abgasanlage an Bord. Auch der Kontakt mit kaltem Stahl im Winter, der zu lokalen Erfrierungen führen kann, gehört dazu. Hier helfen neben der persönlichen Schutzausrüstung wie Schutzhandschuhe entsprechende Betriebsanweisungen und Unterweisungen.

Wer sich unter Gefährdungen durch spezielle physikalische Einwirkungen wenig oder gar nichts vorstellen kann, ist damit sicher nicht allein, wie wir auch aus vielen Seminaren wissen.

Hierzu gehören vor allem Einwirkungen, die durch Lärm und Vibration, wie sie beim Probelauf von Motoren und beim Betrieb von einzelnen Handwerkzeugen, wie Bohrmaschinen, Schleifern oder Sägen aber auch Rasenmähern oder maschinell betriebenen Heckenscheren, entstehen.

Grundsätzlich gilt, dass Lärm und Vibration schon an der Schallquelle vermieden werden sollen. Das heißt, dass man schon beim Kauf einer Maschine (auch eines Bootsmotors) die Schall- und Vibrationswerte vergleicht und die leisere und vibrationsärmere Maschine oder den Motor bevorzugt. Bevor jemand mit lärmintensiven Arbeiten beschäftigt wird, ist die arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich und dann natürlich der richtig ausgelegte Gehörschutz.

Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen

Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen, wie ein ungünstiges Raumklima, z.B. in der Bootshalle/ im Winterlager einer Yachtcharterfirma oder beim Tretbootvermietersind zu bewerten. Durch zu hohe oder zu niedrige Raumtemperatur, Zugluft, Wärmestrahlung oder unzureichende Frischluftzufuhr kann es Gesundheits- oder Konzentrationsprobleme geben und die sollte es bei den heutigen Möglichkeiten nicht mehr geben, zumal der Betrieb vor Ort ja hauptsächlich vom Frühjahr bis zum Herbst läuft, also in einer Zeit, in der es eher nicht zu kalt ist.

Die Heizung bzw. Klimaanlage muss hier eine bedarfsgerechte Regelung der Temperatur ermöglichen. Auch einfache Gebäude wie Holzlauben, lassen sich durch nachträgliche Isolierung und Beschattung der Fenster bei starker Sonneneinstrahlung besser temperieren.

„Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung“, sagten schon unsere Großeltern und das gilt auch heute noch. Bei Gefährdung durch Hitze, Sonneneinstrahlung, Kälte oder Niederschlag ist bei der Arbeit im Freien, die Arbeitskleidung und -umgebung zu berücksichtigen.

In der kühleren Zeit und bei Niederschlägen hat sich atmungsaktive Kleidung bewährt. Bei körperlicher Arbeit schwitzt man weniger und bei Regen wird die Feuchtigkeit abgehalten; der sogenannte „Friesennerz“ ist out.

Bei sommerlichen Temperaturen ist, auch schon wegen der höheren UV- Belastung, leichte arm- und nackenbedeckende Baumwollkleidung sinnvoll, dazu eine Kopfbedeckung, die auch die Ohren schützt und gerade am Wasser eine Sonnenbrille. Wo das nicht ausreicht, ist ein Eincremen der Haut mit einem Sonnenschutzmittel mit einem hohen UV Schutz dringend erforderlich.

Eine ausreichende Beleuchtung des Arbeitsplatzes drinnen wie draußen, die Erkennbarkeit optischer Signale oder Anzeigen sowie die Vermeidung von Blendungen oder Reflektionen bei der Bildschirmarbeit (z.B. bei der Bearbeitung der Reservierungen) gehören hier ebenfalls dazu.

Arbeiten im Hocken oder Knien (z.B. beim Streichen des Unterwasserschiffs), Überkopfarbeit oder Arbeiten mit gebeugter bzw. gebückter Körperhaltung fällt unter das Kapitel Physische Belastung/ Arbeitsschwere und ist, wie z.B. die manuelle Handhabung von Lasten (Heben, Tragen Schieben, Ziehen), dahingehend zu untersuchen, ob sie durch ergonomischere Gestaltung der Arbeitsplätze, die Verwendung von Hilfsmitteln (Hub- oder Transportwagen) oder Lastreduzierung erträglicher gestaltet werden kann.

Auch Psychische Faktoren können zu einer Erhöhung der Unfallzahlen und des Krankenstandes innerhalb einer Firma führen. Hierzu gehören Über- und Unterforderung (z.B. monotone, ständig wiederkehrende Arbeiten oder häufiges Arbeiten unter Zeitdruck), Probleme zwischen Kollegen oder auch die fehlende Motivation zum sicherheitsgerechten Verhalten (z.B. Missachtung von Sicherheitsanweisungen, PSA (z.B. Rettungsweste) wird nicht benutzt, riskante Fahrweise).

Auch die Arbeitsschutzorganisation gehört zu den Punkten, die in einer Gefährdungsbeurteilung betrachtet werden muss. Gibt es hier Verbesserungspotential? Kann der Arbeitsablauf optimaler gestaltet werden? Wie ist das Verhalten in Notfällen geregelt (Rettungsdienst, Polizei) und wer übernimmt die Unterweisung der Mitarbeiter. Bei größeren Betrieben muss auch die Verteilung der Verantwortung geregelt sein. Wer ist in der Werkstatt verantwortlich? Und wer gibt die Boote aus und kümmert sich, falls erforderlich, um die Einweisung der Charterer.

Gefährdungen durch Pflanzen, Tiere oder andere Menschen

Hier müssen spätestens auch sonstige Gefahren, die in den vorgenannten Punkten noch nicht behandelt wurden, abgearbeitet werden, wie zum Beispiel Gefährdungen durch Menschen, wie sie durch

  • eine unzureichende Qualifikation oder Erfahrung,
  • durch unachtsames Verhalten oder
  • unvorhergesehene Unterbrechungen des Arbeitsablaufes, hervorgerufen werden können,
  • Kunden, die möglicherweise schon etwas getrunken haben und die sich nicht überzeugen lassen, heute auf eine Bootspartie zu verzichten oder Kinder in der Segelschule, die noch recht unbedarft sind.

Oder auch Gefahren durch Pflanzen, wie z.B. den Riesen-Bärenklau, der sich auch an Flüssen und Seen bei uns ausbreitet und Rötungen, Verbrennungen und Blasen verursachen kann. Im schlimmsten Fall kann sogar ein Kreislaufschock die Folge sein. Kann nicht passieren? Schön. Und wenn doch? Nur weil ein Kunde mit dem Ruder- oder Tretboot in so einem Pflanzengürtel „gestrandet ist“ und Hilfe benötigt.

Hier ist es wichtig, dass man sich vorher über gefährliche Pflanzen in seiner Umgebung informiert und sich entsprechend verhält.

Auch Gefährdungen durch Tiere sind nicht unmöglich und hier zu betrachten. Wie sieht es aus, wenn ein Kunde seinen (womöglich verängstigten) Hund mit auf das Tretboot nehmen möchte und der Schwimmsteg sich auch noch etwas bewegt? Wie verhält man sich da richtig?

Sie sehen, wenn man mit offenen Augen die Gefährdungsbeurteilung durchführt, tauchen eine Menge mögliche Gefährdungen auf, die abgestellt werden müssen oder, wenn das nicht zu 100% möglich ist, wenigstens so weit wie möglich reduziert werden müssen. Den Nutzen haben Sie als Unternehmer, denn:

Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen sind oft mit hohem persönlichem Leid für die Betroffenen verbunden und verursachen hohe Kosten im Unternehmen, z. B. durch Qualitätseinbußen oder durch die Störung von Arbeitsabläufen.

Durch eine Gefährdungsbeurteilung können im Unternehmen gleichermaßen Qualitätsverbesserungen und Kostensenkungen erzielt werden. Dies wird erreicht durch:

  • weniger Arbeitsunfälle
  • weniger berufsbedingte Erkrankungen   und Ausfallzeiten
  • weniger Störzeiten im Arbeitsablauf
  • geringere Reparaturkosten
  • motiviertere Mitarbeiter
  • weniger Fehler

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