Umgang mit unregelmäßigen Arbeitszeiten

Die Tätigkeit von Busfahrern und -fahrerinnen ist häufig mit Schicht- bzw. Nachtarbeit verbunden. Aus arbeitsorganisatorischen Gründen ist dies gar nicht anders möglich. Nacht- und Schichtarbeit sind jedoch für die Betroffenen mit Nachteilen verbunden. Die Entkoppelung vom normalen Tag/Nacht-Rhythmus stellt für den Organismus eine Belastung dar. Tipps zum Umgang mit den Belastungen finden Sie hier:

Vorwärtsrotation der Dienste

„Vorwärtsrotation“ bedeutet, dass Früh-, Mittel-, Spät- und Nachtdienstperioden in dieser Reihenfolge aufeinander folgen. Dies entspricht offenbar eher der biologischen „inneren“ Uhr der meisten Menschen.

Bei der Vorwärtsrotation ergeben sich automatisch ausreichende Ruhezeiten zwischen den Dienstwechseln. Bei der Rückwärtsrotation ist das nicht immer gegeben. Auch wenn die Sozialvorschriften im Straßenverkehr solche kurzen Wechsel zulassen, sollte aus arbeitsmedizinischen Gründen darauf verzichtet werden.

Mindestens zwei freie Tage nach dem letzten Nachtdienst

Generell wird von Arbeitswissenschaftlern empfohlen, den Anteil der Nachtarbeit zu reduzieren. Je mehr Nachtschichten aufeinander folgen, umso länger braucht der Körper, die erfolgten Teilanpassungen wieder rückgängig zu machen. In zwei freien Tagen nach einer Nachtschichtphase kann sich der Tagesrhythmus wieder stabilisieren und das bei den meisten Menschen auftretende Schlafdefizit kann ausgeglichen werden.

Frühdienst nicht zu früh beginnen, Spätdienst nicht zu spät beenden

Ein sehr früher Schichtbeginn führt häufig zu einem Schlafdefizit bei den Betroffenen. Untersuchungen zeigen, dass die durchschnittliche Schlafdauer von Omnibusfahrern und -fahrerinnen unmittelbar mit der Uhrzeit ihres Schichtbeginnes zusammenhängen. Die Anzahl der „frühen“ Frühdienste sollte nach Möglichkeit begrenzt werden. Ähnliches gilt für den Spätdienst. Auch hier wird durch ein spätes Dienstende und möglicherweise hinzu kommende Fahrtzeiten nach Hause, der Schlaf weit hinausgeschoben. Deshalb sollte auch die Anzahl der aufeinander folgenden "späten" Spätdienste beschränkt werden.

Arbeitsdauer von mehr als acht Stunden vermeiden

Mehr Arbeitszeit bedeutet auch mehr Belastung und geringere Erholungsmöglichkeiten.

Fünf bis maximal sieben Arbeitstage hintereinander

Auch hier lassen die Sozialvorschriften im Straßenverkehr mehr zu, als es die Arbeitswissenschaftler gut heißen.

Kurze Perioden von Früh- und Nachtdiensten

Um eine Anhäufung von Schlafdefiziten zu vermeiden, sollten auf keinen Fall mehr als drei „frühe“ Frühdienste hintereinander gelegt werden. Ähnliches gilt auch für die Anzahl der Nachtdienste. In Untersuchungen konnte belegt werden, dass die relative Unfallhäufigkeit mit der Anzahl der Nachtdienste zunimmt.

Möglichst viel geblockte Wochenendfreizeit

Für das Fahrpersonal, deren soziale Kontakte ohnehin bereits durch Spät- und Nachtdienste eingeschränkt sind, wird freie Zeit am Wochenende zusätzlich wichtig. In das Wochenende hineinreichende Dienstzeiten schmälern die Erholungsfunktion bzw. die Nutzungsmöglichkeiten. Unter „geblockter Wochenendfreizeit“ wird ein freies Wochenende mit einer arbeitsfreien Zeit von 0.00 bis 24.00 Uhr an zwei oder mehr Tagen verstanden.

Rücksicht auf ältere Fahrer und Fahrerinnen nehmen

Bei älteren Menschen nimmt mit wachsendem Alter die Leistungsfähigkeit ab, während der Erholungsbedarf zunimmt. Dies führt dazu, dass diese Gruppe durch Nacht- und Schichtarbeit bzw. unregelmäßige Arbeitszeiten stärker beansprucht wird als junge Fahrer bzw. Fahrerinnen.

Einfluss der Fahrer und Fahrerinnen auf die Diensteinteilung erhöhen

Je mehr Mitsprachemöglichkeiten das Fahrpersonal bei der Dienstplangestaltung hat, umso größer ist deren Arbeitszufriedenheit. Dies ist durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Größere Einflussmöglichkeiten zu haben bedeutet auch, Beruf und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können.

Familiäre Belastungen berücksichtigen

Der Schichtdienst stellt berufstätige Eltern vor die Aufgabe, die Kinderbetreuung durch Kindergarten, Schule oder Tagesmutter mit ihren eigenen mehr oder weniger unregelmäßig wechselnden Dienstzeiten in Einklang zu bringen. Wo es möglich ist, kann beispielsweise durch die Einrichtung betrieblicher Kinderbetreuungsmöglichkeiten eine Lösung geschaffen werden.

Sozialvorschriften im Straßenverkehr

Arbeitszeiten von Omnibusfahrern und -fahrerinnen werden in der Bundesrepublik durch die EG-Verordnung, die Fahrpersonal-Verordnung und das Arbeitszeitgesetzt geregelt. Für den Linienverkehr sieht die EG-Verordnung die Möglichkeit von Ausnahmen bzw. Sonderregelungen vor.

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