Verhalten bei Konflikten und Überfällen

Überfälle entstehen meist aus ganz alltäglichen Situationen. Taxifahrerinnen und Taxifahrer treffen mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Und nicht jeder Fahrgast trägt seine Absichten offen zur Schau. Überfälle gehören zwar nicht zum Alltag des Taxigeschäfts, stellen aber dennoch ein Risiko dar.

Selbstbewusstes Auftreten

So wichtig Sicherheitseinrichtungen auch sind, besser ist es, wenn es gar nicht erst zu einem Überfall kommt. Fahrerinnen und Fahrer können selbst einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Bei einem Großteil von Überfällen auf Taxifahrer handelt es sich um Spontantaten.

Die aufmerksame Beobachtung der Umgebung und der Personen, die sich dem Taxi nähern ermöglicht es, diese einzuschätzen. Es ist Präsenz zu zeigen. Ein Fahrgast soll ruhig merken, dass die Fahrerin oder der Fahrer ihn im Blick hat. Wer auf dem Fahrersitz sitzt bestimmt, was in dem Taxi geschieht. Dieser Grundsatz ist zu verinnerlichen. Dabei tritt man am besten höflich aber souverän auf. Ein selbstbewusstes Auftreten und die freundliche, aber laute und deutliche Begrüßung des Fahrgastes haben schon so manche Situation entschärft.

Während einer Fahrt mit dem Taxi schätzen sich alle Insassen gegenseitig ein. Fahrerinnen und Fahrer sollten sich dabei gegenüber den Fahrgästen selbstbewusst präsentieren. Das Tragen eines Blazers oder Sakkos z. B. macht eine Menge aus. Dies wirkt seriös und signalisiert dem Fahrgast: "Der Chef bin ich!" Darüber hinaus sollten Fahrerinnen und Fahrer bequeme Kleidung (feste Schuhe, nicht zu enge Hosen) zu tragen, damit diese sich im Ernstfall ungehindert wehren können bzw. damit eine schnelle Flucht möglich ist.

Kritische Situationen

Ein selbstbewusstes Auftreten ist wichtig. In kritischen Situationen sollte man den Fahrgast in ein Gespräch verwickeln– Spontantäter entwickeln eine Hemmschwelle, jemanden zu überfallen, mit dem sie sich gerade noch unterhalten haben.

Wichtige Verhaltensregeln:

  • Am Taxistand beobachten, was vor sich geht - so können Sie nicht überrascht werden.
  • Ruhig bleiben, wenn der Fahrgast aggressiv reagiert.
  • Das Fahrzeug bei Nacht oder in einer abgelegenen Gegend – außerhalb von Wohngebieten – möglichst nicht verlassen.
  • Einen verdächtigen Fahrgast immer im Blick behalten.
  • Niemals den Funk ausschalten – auch dann nicht, wenn der Fahrgast dazu auffordert.
    Wer eine brenzlige Situation gedanklich schon durchgespielt hat, ist viel besser vor dem Überraschungsmoment geschützt und kann Verhaltensregeln abrufen.

Folgende Punkte sind besonders wichtig:

  • Nicht auf einen Kampf einlassen. Materielle Schäden sind auszugleichen, ein Menschenleben kann man nicht ersetzen.
  • In brenzligen Situationen das Fahrzeug verlassen und fliehen.
  • Nur wenn eine Flucht unmöglich ist und der Täter Gewalt anwendet, sollte man sich verteidigen.

Seminare: Sicherheit im Taxigewerbe

Die BG Verkehr bietet spezielle Sicherheitsseminare für Taxifahrer an. Die Seminare bieten umfangreiche theoretische und praktische Informationen und Hilfestellungen, die dazu befähigen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und sich richtig zu verhalten. Kompetente Referenten klären über rechtliche Fragen, sicherheitstechnische Nachrüstung des Taxis und vieles andere auf und spielen mit den Teilnehmern Krisensituationen durch.

Sicherheit im Taxigewerbe: Grundseminar

Das erwartet Sie:

  • Informationen über die BG Verkehr
  • Einführung in die Gefahrenabwehr
  • Beförderungsrechte und -pflichten
  • Transaktionsanalyse (TA): Wie die soziale und kommunikative Situation rund um die Beförderung einer Person mit dem Taxi reflektiert, analysiert und gesteuert werden kann.
  • Grundlagen der Gesprächsführung
  • Deeskalationsverhalten in Gefahrenmomenten
  • Richtiges Verhalten und Erkennen von Gefahren
  • Bewaffnung – sinnvolle Hilfsmittel bei körperlicher Gewalt?
  • Notwehr und Nothilfe

Sicherheit im Taxigewerbe: Praxisseminar:

Das erwartet Sie:

  • Arbeiten am und im Fahrzeug
  • Erarbeitung von Strategien zur Konfliktbewältigung und zum Verhalten beim Überfall
  • Abwehr von Angriffen auf Leib und Leben
  • Fluchtübungen in Stresssituationen und eigenes Hilfeverhalten

Sicherheit im Taxigewerbe: Weiterführungsseminar

Das erwartet Sie:

  • Wiederholung aller Ausbildungsteile des Grund- und Praxisseminars
  • Vermittlung des Wissens aus der neuesten Verhaltensforschung im Bereich des Täter- und Opferverhaltens
  • Auffrischung und Automatisierung des Verhaltens zur Gefahrenabwehr

Praxisseminar

Das erwartet Sie:

  • Erarbeitung von Strategien zur Konfliktbewältigung und zum Verhalten bei einem Überfall
  • Abwehr von Angriffen auf Leib und Lebe
  • Fluchtübungen in Stresssituationen und eigenes Hilfeverhalten
  • Arbeiten am und im Fahrzeug

Schutz vor Überfällen

Der Gesetzgeber schreibt bereits heute vor, dass Taxis mit einer Alarmanlage ausgestattet sein müssen. Die mit der Hupe gekoppelte Alarmanlage wird vom Fahrersitz aus ausgelöst. Zusätzlich zur Hupe blinken die Scheinwerfer und die Blinker am Fahrzeug.

So funktioniert der Taxi-Notruf

Das Notruf-System mit Satelliten-Standortermittlung (GPS) ermöglicht es, den Standort eines Fahrzeugs nahezu genau zu ermitteln. Über einen verdeckt im Fahrzeug angebrachten Notrufschalter wird ein stiller Alarm aktiviert. Mit höchster Priorität wird die Notrufmeldung an die Zentrale übertragen. Gleichzeitig können GPS-Satelliten mit einer Genauigkeit von ca. 30 m den Standort des Taxis ermitteln. Die GPS-Antenne auf dem Dach des Taxis ist kleiner als eine Schachtel Zigaretten. Der Computer liest die Daten in den Stadtplan ein. Zusätzlich können der Name des Fahrers (und/oder Halters) sowie die Telefonnummer und das Kennzeichen aufgerufen werden. Die Zentrale alarmiert die Polizei und den Notarzt und schickt sie schnell und unmittelbar an den Ort des Überfalls. Sinnvoll ist GPS auch bei Diebstahl, da das gestohlene Taxi anhand dieser Daten leicht von der Polizei ausfindig gemacht werden kann.

Stiller Alarm

Der stille Alarm (rechts und links vom Taxidachzeichen sind rote Warnleuchten zu sehen) soll den Fahrer "passiv" vor Überfällen schützen. Der Alarm wird durch einen Knopf im Fußraum ausgelöst. So kann der Fahrer Alarm geben, ohne dass es im Innenraum bemerkt wird. So werden beispielsweise Taxikollegen auf den Notfall aufmerksam und können helfen, indem sie die Polizei alarmieren.

Bargeldlose Zahlung nutzen

Eine Auswertung der Überfälle durch die Berufsgenossenschaft hat ergeben, dass Raub eines der häufigsten Tatmotive ist. Deswegen sollten Sie als Taxifahrer möglichst kein bzw. nur notwendiges Wechselgeld im Taxi aufbewahren. Eine Alternative sind bargeldlose Zahlungssysteme. Dies kann z. B. eine Taxicard, d.h. eine Guthabenkarte, sein. Verwendet werden zurzeit Kreditkarten, eigene Kundenkarten und Personalkarten. Der Fahrer zieht die Karte durch das Lesegerät und druckt den Beleg auf dem Taxidrucker aus.

Kameraüberwachung

Bei Kameraüberwachung wird eine kleine Kamera an der Windschutzscheibe montiert oder in das Armaturenbrett eingebaut. Die Kamera verfügt über ein Weitwinkelobjektiv, durch das der gesamte Innenraum des Fahrzeugs erfasst wird. Je nach System werden unter Berücksichtigung der Datenschutzanforderungen Einzelaufnahmen oder kurze Videosequenzen gespeichert. Für den Fahrgast ist die Kameraüberwachung aber stets deutlich erkennbar. In einer bedrohlichen Situation lässt sich die Kamera zusätzlich mit einem Schalter im Fußraum des Fahrers aktivieren.

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