Wie funktioniert unser Gehör?
Das menschliche Ohr als Schallsensor nimmt zunächst alle eingehenden Schallsignale auf, egal ob erwünscht oder unerwünscht, laut oder leise. Im Gegensatz zum Auge, das sich durch das Lid vor zu starkem Licht schützen kann, hat das Ohr "24 Stunden geöffnet".
Als Ausgleich für diesen Nachteil hat die Natur einen ungeheuer großen Dynamikbereich vorgesehen. Darunter versteht man die Fähigkeit, sowohl leiseste als auch lauteste Geräusche "ohne Umschaltung" zu verarbeiten. Die Hörschwelle des (jungen) Menschen liegt bei ca. 0 dB (bei 2kHz), die Schmerzschwelle bei ca. 120 dB, d. h. das Ohr kann noch Schalldrücke verarbeiten, die um das Millionfache über der Hörschwelle liegen. Dieser Maximalwert von 120 dB gilt aber nur für Geräusche, die gelegentlich auftreten. Für Dauerberieselung durch Industrielärm ist das Ohr nicht ausgelegt, hier muss Gehörschutz benutzt werden.
Unser Gehirn kann mit reinen Luftdruckschwankungen nichts anfangen. Die Schallwellen müssen also erst vom Ohr in elektrische Signale umgewandelt werden. Dies geschieht über eine aufwendige Signalübertragungskette. Zunächst werden die Schallwellen von der Ohrmuschel eingefangen und über den Gehörgang dem Trommelfell zugeführt. Dies ist eine dünne Membran, die durch die Schallwellen in Schwingung versetzt wird. Die mechanischen Schwingungen des Trommelfells werden im Mittelohr über die Gehörknöchelchen "Hammer", "Amboß" und " Steigbügel" verstärkt und an das Innenohr (Schnecke) weitergeleitet. In der Schnecke, die mit Flüssigkeit gefüllt ist, befindet sich das Cortische Organ mit Haarzellen. Diese Haarzellen werden durch die Wanderwellen des Schalls in der Schnecke hin- und hergebogen und erzeugen dabei elektrische Signale, die über den Hörnerv dem Gehirn zugeleitet werden. Werden die Haarzellen häufiger durch zu lauten Lärm überlastet, sterben sie ab. Erst nur einige, dann immer mehr. Die Lärmschwerhörigkeit nimmt ihren Lauf.




