Vergiftete Kabinenluft? Sachlich bleiben!

01.06.2016 - In den letzten Tagen erschienen mehrere Berichte, in denen die BG Verkehr erwähnt wird. Das möchten wir an dieser Stelle kurz kommentieren.

Selbstverständlich hat die BG Verkehr größtes Interesse daran, einen möglichen Zusammenhang zwischen Gesundheitsbeschwerden unserer Versicherten und eventuell kontaminierter Kabinenluft aufzuklären. Unsere eigenen unabhängigen Fachleute und externen Experten konnten einen Kausalzusammenhang auf der Basis der wissenschaftlichen Faktenlage bisher nicht nachvollziehen.

Anerkennung der Fälle: Seit 2013 hat die BG Verkehr etwa 1.000 Fume-Event-Fälle erfasst. Sie wurden bei Vorliegen der Voraussetzungen überwiegend als Arbeitsunfälle anerkannt. In den allermeisten Fällen waren die Betroffenen sofort oder nach spätestens drei Tagen wieder arbeitsfähig (90 Prozent der Fälle waren also sogenannte nicht meldepflichtige Arbeitsunfälle). Es liegt auf der Hand, dass in diesen Fällen keine Berufskrankheit festgestellt werden kann. Bei zwölf Personen (also etwa einem Prozent aller Fälle) dauerte die Arbeitsunfähigkeit länger als sechs Wochen.

Bei der Anerkennung einer Berufskrankheit, wie auch der von langfristigen Folgen von Arbeitsunfällen gelten unsere rechtlichen Rahmenbedingungen im SGB VII. Leistungen sind nur möglich, wenn der Kausalzusammenhang bewiesen ist. Diese Feststellung treffen wir von Amts wegen, nach Recht und Gesetz und unter Berücksichtigung des Einzelfalles.

Informationspolitik: Die BG Verkehr hat sämtliche Ereignisse mit ungewöhnlichen Gerüchen und/oder Gesundheitsbeschwerden erfasst und die Zahlen (seit 2013 rund 1.000 Fälle) seit Anfang 2016 auf Ihrer Internetseite veröffentlicht.

Zu dieser Thematik gab es einige Anfragen aus Presse, Verbänden und Politik. Wir beantworten solche Anfragen selbstverständlich so konkret wie möglich, aber stets unter Berücksichtigung des Sozialdatenschutzes.

Untersuchung nach einem Ereignis: Für die Untersuchung nach Fume Events wird unter Federführung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ein Standarduntersuchungsverfahren diskutiert und weiterentwickelt. Darin sind auch Blutuntersuchungen beschrieben. Das Verfahren sieht keine Untersuchung bei speziellen Untersuchungsstellen vor.

D-Ärzte: In Deutschland gibt es etwa 4.000 Durchgangsärzte, die für alle Berufsgenossenschaften tätig sind, nicht nur für die BG Verkehr. Sie sind selbstverständlich wie alle Ärzte weisungsfrei in der Ausübung ihrer medizinischen Tätigkeit. Sie allein entscheiden, ob sie ein Crewmitglied krankschreiben und ggf. eine Blutprobe veranlassen. 

Wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Interpretation der Messergebnisse verschiedener Institutionen werden in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Derzeit lassen sie keinen Rückschluss auf die Kausalität zu.

Externe Experten: Bei Bedarf und zu bestimmten Themen zieht die BG Verkehr externe Experten im Rahmen der Meinungsbildung unserer Fachleute hinzu. Die dabei abgegebenen Stellungnahmen dienen internen Zwecken. Wenn solche Papiere außerhalb unseres Hauses genutzt werden, wird daraus keine Veröffentlichung, die den damit verbundenen formalen Ansprüchen zu genügen hat. Unsere Partner bei solchen Expertisen sind sorgfältig ausgewählt. Für die vorliegende Fragestellung konnten wir als Experten den Neurologen Prof. Dr. Thümler gewinnen und danken ihm für seinen wertvollen Beitrag.

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