"Uns ist eines immer wichtig: das Gespräch."

Wir sprachen mit dem Leiter Aus- und Fortbildung der Spedition Schuldes GmbH, Christopher Schuldes, über die Kunst des Gebens und Nehmens zwischen Führungskräften und Beschäftigten, die wichtige Rolle der Kommunikation und die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Christopher Schuldes steht neben einem Lkw
© Grvbe – Fotografie – Videografie – Design für DGUV, kommmitmensch

Herr Schuldes, Berufskraftfahrerinnen und -fahrer haben einen harten Job: Stundenlang hinterm Steuer, Zeitdruck, oft über Tage unterwegs. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Fahrer dennoch gesund bleiben und sicher ans Ziel kommen? Welche Rolle spielen Sie dabei als Führungskraft?

In unserem Unternehmen ist uns bewusst, dass wir nur dann miteinander erfolgreich am Markt sein können, wenn wir dies gemeinsam wollen. Wir nehmen unsere Mitarbeiter ernst, wir interessieren uns für sie, sprechen mit ihnen auf Augenhöhe und versuchen auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Natürlich geht nicht alles, aber wer aus persönlichen Gründen einen freien Tag braucht oder eine besondere Ausstattung in seinem Fahrzeug, darauf versuchen wir schon einzugehen.

Für mich als Führungskraft ist das Wichtigste die Kommunikation, das Gespräch. Ich will ansprechbar sein für meine Mitarbeiter, für ihre Probleme aber auch offen für Vorschläge und Hinweise.

Die Corona-Pandemie stellt auch Spediteure vor große Herausforderungen. Wie haben Sie auf die Krise reagiert?

Da muss man zwischen unserem Betriebsstandort mit Büro, Lager und Werkstatt unterscheiden, wo wir  die gängigen Maßnahmen - Abstandsmarkierungen, Plexiglasscheiben, Melderegister etc. - umgesetzt haben, und der Situation der Berufskraftfahrer. Bei ihnen haben wir die PSA erweitert. Wir haben Community-Masken bei einem Gardinenhersteller in der Nachbarschaft nähen lassen und Hygienemaßnahmen im Fahrzeug umgesetzt. Wichtiger war aber das Thema Arbeitsplatzsicherheit. Die Mitarbeiter haben natürlich mitbekommen, dass die Aufträge weniger werden, sie haben schon gerechnet, wie sie es mit 60 Prozent Kurzarbeitergeld schaffen könnten über die Runden zu kommen. Es war einfach eine große Verunsicherung da. Auf diese Unsicherheit haben wir von Anfang an reagiert und unseren Mitarbeitern klar gesagt, dass nach dem derzeitigen Stand niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten muss und wir auch versuchen, Kurzarbeit zu vermeiden. Im Gegenzug haben die Beschäftigten ebenfalls Entgegenkommen gezeigt. Sie haben zum Beispiel Resturlaubstage eingesetzt, wenn einmal keine Fahrten gemacht werden konnten. So haben sie ihren Teil dazu beigetragen, dass wir bisher ganz gut durch die Krise gekommen sind. Dafür bin unglaublich dankbar und auch ein bisschen stolz, dass wir das so gut hinbekommen haben. Für uns war einfach klar, dass das Unternehmen niemanden hängen lässt und wir die schwierige Zeit gemeinsam durchstehen. Die Sorge um die Existenz lenkt ja auch ab und kann zu Konzentrationsschwierigkeiten führen, beides können wir im Fahrerberuf nicht gebrauchen. Dem wollten wir schnell entgegenwirken und unseren Leuten Sicherheit vermitteln, so dass sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können.

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie ergriffen, um Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen?

Gerade zu Beginn der Pandemie waren unterwegs die einfachsten Dinge nicht möglich. Rasthöfe und deren Sanitäranlagen waren geschlossen. Bei den Verladern konnten auch viele Einrichtungen nicht genutzt werden. Es war zum Teil schwierig, sich die Hände zu waschen. Hier haben wir mit Hilfe des BGL (Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik) einiges erreicht. Wir haben unsere Fahrer animiert, uns Missstände zu benennen, ggf. ein Bild aufzunehmen und haben dies dann weitergegeben. Für die Fahrer war dann klar: Mein Unternehmen kann das Problem zwar nicht allein lösen, aber gibt es an die richtige Stelle weiter und hilft so. Auch hier war unsere Botschaft an die Mitarbeiter wieder: Wir kennen eure Probleme und versuchen, euch zu helfen – entweder direkt oder indem wir die Unterstützung bei anderen einfordern. Es ist einfach wichtig für seine Mitarbeiter da zu sein – gerade, wenn die Zeiten schwierig sind. Und dafür sind wir da.

Für viele Speditionsunternehmen ist es schwer, neue Fachkräfte zu finden und langfristig zu binden. In Ihrem Unternehmen ist die Fluktuation dagegen gering. Was tun Sie dafür, gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möglichst lange im Unternehmen zu halten?

Christopher Schuldes arbeitet am Schreibtisch
© Grvbe – Fotografie – Videografie – Design für DGUV, kommmitmensch

Hier muss man, glaube ich, zwei Gruppen unterscheiden: Die älteren Mitarbeiter sind zum Teil schon seit meinen Kindertagen im Unternehmen. Sie schätzen den Umgangston und das Klima und wissen, dass das Unternehmen so was wie eine große Familie mit Geben und Nehmen ist. Auf der anderen Seite gibt es die jüngeren Mitarbeiter, die gerade eine Familie gründen oder noch sehr viel mit dem Freundeskreis unterwegs sind. Hier sind auch wir nicht davor gefeit, dass uns Mitarbeiter wieder verlassen, weil die Rahmenbedingungen des Berufes für sie nicht passen. Man kommt zum Beispiel nicht jeden Abend nach Hause, kann nicht immer weggehen, wie man es möchte. Das stößt im sozialen Umfeld nicht immer auf Verständnis. Auch bei der Gründung einer Familie wollen viele Väter mehr Zeit mit den Kindern verbringen, was als Fernfahrer nicht verlässlich möglich ist. Uns ist dabei aber eines immer wichtig: das Gespräch. Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden. Das gelingt nicht immer. Aber nur, wenn wir wissen, wo wir anpacken können, können wir auch versuchen, etwas zu ändern und einen Weg finden, der für alle passt.

Das Wichtigste für uns ist, dass der Weg zurück zu uns immer offen bleibt. So konnten wir z.B. erst in diesem Jahr wieder einen ehemaligen Auszubildenden von uns im Unternehmen zurück willkommen heißen.

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