Taucher

Das Leistungsspektrum der Taucherbetriebe ist sehr vielfältig. Zu den Unterwasserarbeiten, die von Taucherfirmen ausgeführt werden können, zählen beispielsweise einfache Suchaufgaben ebenso wie umfangreiche Erkundungen und Begutachtungen, Schiffs- und Bauwerksuntersuchungen, De- und Montagearbeiten komplizierter Unterwasserkonstruktionen, Betonarbeiten oder gar auch Korrosionsschutz.

Taucher in Schutzausrüstung steigt aus Wasser

Arbeitsschutz bei Taucherarbeiten

Bei der Durchführung von Taucherarbeiten sind neben grundsätzlichen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften wie dem Arbeitsschutzgesetz, der Betriebssicherheitsverordnung und der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge insbesondere die berufsgenossenschaftliche Vorschrift "Taucherarbeiten" (DGUV Vorschrift 40) und die sie ergänzenden berufsgenossenschaftlichen Regeln und Informationen zu beachten.

Taucherarbeit ist Teamarbeit

Eine Taucherarbeit bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Ausgehend von der von der Unternehmerin oder dem Unternehmer bzw. der Tauchereinsatzleitung durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung gilt nach der Maßnahmenhierarchie auch hier das TOP-Prinzip. Danach sind:

  1. technische Maßnahmen,
  2. organisatorische Maßnahmen,
  3. personenbezogene Maßnahmen

im Vorfeld der durchzuführenden Taucherarbeit zu treffen.

Was gehört mindestens dazu?

Technische Maßnahmen (Mindestausrüstung an der Tauchstelle)

  • Tauchgeräte, die der Richtlinie 89/686/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen entsprechen – für den Einsatztaucher und Reservetaucher!
  • Luftversorgung, die den Einsatztaucher und den Reservetaucher in ausreichender Menge und Qualität mit Atemgas versorgen – Druckluft muss die Bedingungen der DIN EN 12021 "Atemschutzgeräte – Druckgase für Atemschutzgeräte" erfüllen
  • Taucherdruckkammern an der Tauchstelle
    • bei Tauchgängen mit Austauchzeiten über 35 min
    • bei Tauchtiefen über 10 m, wenn ein Transport zur nächsten Taucherdruckkammer innerhalb von 3 Stunden nicht möglich ist
  • Signalleine oder Telefonleine und Sprechverbindung
  • Tauchermesser
  • Schutzkleidung (zum Beispiel Tauchanzug, Wollzeug, Kühl- und Wärmeschutzkleidung)
  • Austauchtabelle (Deko-Tabelle, siehe Anlage 1, DGUV Vorschrift 40 – Taucherarbeiten)
  • Einstieg- und Ausstiegsmöglichkeit für die Taucher ins Wasser über eine geeignete, sicher befestigte Leiter (Ausführung bis 1,80 m ins Wasser und 1 m über Deck)
  • Einrichtungen zum Erreichen des Arbeitsplatzes unter Wasser und für die Einhaltung der Deko-Stopps beim Austauchen
  • Boot, wenn von Land, festgelegten Schiffen oder Plattformen getaucht wird
  • Sauerstoffatemgerät, welches das Atmen von reinem Sauerstoff für eine Dauer von mindestens 3 Stunden ermöglicht
  • Umkleideraum (beheizbar)
  • Uhr und Aushang mit Angaben zu:
    • Erste-Hilfe-Maßnahmen
    • dem nächsten Taucherarzt
    • der nächstgelegenen Druckkammer

Hinweis:

Es darf nur geprüfte Ausrüstung verwendet werden:

  • Prüfung des Tauchgerätes vor jedem Tauchgang auf Vollständigkeit und Betriebsbereitschaft durch den Taucher
  • Prüfung der sonstigen Ausrüstung an der Tauchstelle vor jedem Tauchgang durch den Tauchereinsatzleiter
  • Prüfung der Taucherausrüstung durch einen Sachkundigen mindestens einmal jährlich gemäß § 31 (3) DGUV Vorschrift Taucherarbeiten bzw. durch eine befähigte Person gemäß §§4 (4), 14, 15, 16 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

Weitere Angaben zur Technik (Bau und Ausrüstung) finden Sie in der DGUV Vorschrift 40 – Taucherarbeiten, die auch Verweise zu den relevanten DIN EN für Tauchgeräte enthält, und in der DGUV Regel 101-022 – Taucherdruckkammern.

Organisatorische Maßnahmen

Leitung und Aufsicht

Wird der Tauchereinsatz nicht vom Unternehmer selbst geleitet, so ist der Aufsichtführende (Tauchereinsatzleiterin oder -leiterin) schriftlich zu bestellen.

Tauchergruppe

Taucherarbeiten dürfen nur von Tauchergruppen ausgeführt werden. Eine Tauchergruppe besteht aus mindestens zwei Taucherinnen oder Tauchern, einem Signalmann bzw. einer Signalfrau, einer Tauchhelferin oder einem Taucherhelfer, die oder der entfallen kann, wenn die Bedingungen an der Tauchstelle dies zulassen (siehe auch § 9 (3) DGUV Vorschrift 40).

Sicherung des Tauchereinsatzes

Vor jedem Einsatz muss der Tauchereinsatzleiter die Einsatzbedingungen beurteilen und die sich daraus ergebenden Maßnahmen treffen.

In der Beurteilung müssen die Bedingungen enthalten sein, die sich ergeben

  • aus dem Gewässer, durch Gezeiten, Strömung, Schiffsverkehr, Wassertemperatur, Sichtweite unter Wasser, Witterung, besondere Erschwernisse, Unterwasserhindernisse und -besonderheiten, mögliche Kontaminationen
  • aus der Sicherung des Tauchereinsatzes, zum Beispiel mit der Kennzeichnung der Tauchstelle, Beseitigung von Gefahrenstellen (Ansaugöffnungen), Rettung verletzter Taucher, Benachrichtigung bei Taucherunfällen und dem Transport zur nächsten Behandlungskammer,
  • aus den eingesetzten Arbeitsmitteln
  • aus der Zusammenarbeit mit anderen Tauchergruppen oder weiteren an der Tauchstelle tätigen Firmen.

Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung muss die Tauchereinsatzleiterin oder der Tauchereinsatzleiter schriftliche Anweisungen erstellen (Betriebsanweisungen), die als Grundlage für die Unterweisung vor jedem Tauchereinsatz dienen.

Die Unterweisung muss mindestens enthalten:

  • die Einsatzbedingungen und die eingesetzte Einrichtung und Ausrüstung,
  • die besonderen Gefahren und Erschwernisse,
  • das Verhalten bei Unfällen und Störungen.

HinweisWichtig

Die Unterweisung soll insbesondere im Falle des Verhaltens im Notfall praktische Rettungsübungen enthalten, die die Funktionsfähigkeit der Rettungskette – von der Rettung der Taucherin oder des Tauchers aus dem Wasser bis zur tauchärztlichen Versorgung – bestätigen.

Sollen Taucherarbeiten in mehr als 50 m Tauchtiefe durchgeführt oder andere Atemgase als Druckluft verwendet werden, muss die vorherige Zustimmung bei der Berufsgenossenschaft eingeholt werden.

Weitere Informationen zur Durchführung von Taucherarbeiten finden Sie hier:

Personenbezogen

Anforderungen an die Taucherin oder den Taucher

  • vollendetes 21. Lebensjahr
  • Nachweis der gesundheitlichen Eignung auf Grundlage einer arbeitsmedizinischen Untersuchung nach dem DGUV Grundsatz 31, der mindestens einmal jährlich zu wiederholen ist
  • hinreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten für die sichere Durchführung von Taucherarbeiten mindestens 6 Tauchstunden in jeweils 6 Monaten, andernfalls Einsatz gemäß § 23 Arbeiten mit besonderen Erschwernissen, DGUV Vorschrift 40 – Taucherarbeiten.

Anforderungen an die Signalfrau oder den Signalmann

  • körperliche Eignung (Vgl. § 12, DGUV Vorschrift 40: "Personen sind für den Einsatz als Signalmann nicht geeignet, wenn sie Krankheiten haben, die sie dauernd oder vorübergehend plötzlich an der Erfüllung ihrer Aufgaben hindern können, wenn sie z. B. starke Sehstörungen haben, schwerhörig sind oder zu Schwindelanfällen und Krämpfen neigen.")
  • vollendetes 18. Lebensjahr
  • von einem Taucherunternehmen ausgebildet über hinreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten für die sichere Wahrnehmung ihrer bzw. seiner Aufgaben (vgl. DGUV Vorschrift 40 –Taucherarbeiten, Anhang 2) verfügend

Anforderungen an die Tauchhelferin oder den Taucherhelfer:

  • körperliche Eignung (siehe Signalfrau/Signalmann)
  • vollendetes 18. Lebensjahr
  • im Bedienen und Warten einer Luftversorgungsanlage unterwiesen und dem Unternehmer bzw. der Unternehmerin nachgewiesene Befähigung hierzu

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