"Ladungsbrände auf See - Gibt es Verbesserungspotential bei der Brandvermeidung und Brandbekämpfung durch Reeder und Besatzung?"

Branchenkonferenz Seeschifffahrt am 27. Oktober 2017

Löscharbeiten auf Containerschiff
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Immer länger, immer größer: Die Ladekapazitäten von Containerschiffen sind innerhalb nur weniger Jahre enorm gestiegen. Mit der Größe wächst aber auch das Brandrisiko: Oft haben die Schiffsriesen leicht brennbare oder gar selbstentzündliche Stoffe geladen, ohne dass dies aus den Frachtpapieren ersichtlich ist. Bricht ein Feuer aus, werden Mannschaft und Offiziere auf eine harte Probe gestellt. Selbst bestmöglich qualifizierte Seeleute haben nur dann eine Chance, wenn ein Brand frühzeitig erkannt wird.

In Plenumsvorträgen und zwei Workshops tauschten sich die Teilnehmer darüber aus, wie Brandvermeidung und Brandbekämpfung verbessert werden können und ob die Vorkehrungen noch den aktuellen Standards entsprechen.

Teilnehmer:

  • Vertreterinnen und Vertreter von Reedereien, Bordpersonal, Forschungseinrichtungen, Feuerwehren, Sachversicherern
  • Expertinnen und Experten von Aufsichtsbehörden und Verbänden

Plenumsvorträge

In fünf Impulsvorträgen beleuchteten verschiedenen Experten am Vormittag die Sicherheitslage auf Containerschiffen, die Ursachen von Ladungsbränden, die Risiken durch nicht oder falsch deklariertes Gefahrgut, die speziellen Bedingungen und Erfordernisse bei der Brandbekämpfung auf See sowie aktuelle und zukünftige Feuerlöschsysteme.

Workshops

Workshop 1: "Brandvermeidung an Bord – Wie können Risiken durch falsch oder nichtdeklarierte gefährliche Güter in Containern reduziert werden?"

Teilnehmer Workshop 1

Eine wirksame Brandvermeidung an Bord ist nur möglich, wenn die gefährlichen Eigenschaften der Ladung bekannt sind. Oft sind Container, die Gefahrstoffe enthalten, nicht entsprechend gekennzeichnet. Es gibt aber weder ausreichende internationale Übereinkommen für Kontrollen in den Ländern, aus denen die Güter versendet werden, noch die technische Ausrüstung und Infrastruktur. Die Workshop-Teilnehmer diskutierten Möglichkeiten, wie sich das Wissen über Frachtinhalte verbessern lässt.

Erkenntnisse, Vorschläge, Forderungen:

  • Überprüfung der vorhandenen Informationen auf Plausibilität, z.B. von Gewicht und Schwerpunkt (technische Möglichkeiten aber noch nicht vorhanden)
  • Weiterentwicklung von internationalen Übereinkommen
  • standardmäßige Ausstattung von Containern mit Branderkennungssensoren
  • besondere Sicherheitsmaßnahmen für den Transport von leicht polymerisierbaren Ladungen international festlegen, wie z.B. spezielle Staupositionen entfernt von Wärmequellen

Workshop 2: "Brandbekämpfung – Werden die aktuellen Standards für Ausrüstung und Ausbildung den absehbaren Herausforderungen eines Schiffsbrandes gerecht?"

Teilnehmer Workshop 2

Innerhalb der letzten 12 Jahre haben Schiffsgrößen eine rasante Entwicklung durchgemacht. Mit ähnlicher Geschwindigkeit entwickelte sich die Vielfalt der transportierten Güter und der zugehörigen chemischen Eigenschaften. Moderne Containerschiffe bergen nicht nur eine größere und potenziell gefährlichere Brandlast. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein in Brand geratener Container schwer zu erreichen ist, hat sich erhöht. Die Anforderungen an die Ausbildung der Besatzung und die Ausrüstung der Schiffe zur Brandbekämpfung sind jedoch nahezu unverändert geblieben.

Erkenntnisse, Vorschläge, Forderungen:

  • standardmäßige Ausstattung von Hochseeschiffen mit Löschmonitoren an verschiedenen Stellen, mit denen Brände in den heutigen Containerstapeln bekämpft werden können
  • Verbesserung der Anlagen zur Branddetektion zur rechtzeitigen Entdeckung von Ladungsbränden
  • Anpassung der vorgeschriebenen Mindeststandards in Bezug auf den Brandschutz und die Feuerlöschsysteme über die Internationale Maritime Organisation
  • Verbesserung der Qualifikation in Brandbekämpfungstaktik, intensiveres praktisches Training

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