Einsatzbedingungen

Um einen sicheren Kranbetrieb planen zu können, müssen die Bedingungen am Einsatzort ermittelt werden. Die Sicherheitseinrichtungen des Kranes wirken nur unter sicheren Einsatzbedingungen zuverlässig.

Falls erforderlich, müssen vor dem Einsatz sichere Bedingungen geschaffen werden. Einwirkungen am Einsatzort, die im Kranbetrieb zu gefährlichen Situationen führen können, sind u.a.:

  • unzureichende Bodentragfähigkeit
  • Windeinwirkung
  • Einwirken elektrischer Energie
  • Kollision mit feststehenden Einrichtungen oder beweglichen Arbeitsmitteln

Nicht alle Gefahren des Hebevorganges können durch die Konstruktionsweise und die Sicherheitseinrichtungen des Fahrzeugkranes ausgeschlossen werden. Die Umsetzung wirksamer organisatorischer und personenbezogener Sicherheitsmaßnahmen ist erforderlich.

Bodentragfähigkeit

Bodenversagen tritt auf, wenn die Tragfähigkeit des Bodens unter den Abstützungen eines Fahrzeugkranes geringer ist als die einwirkenden Stützkräfte des Kranes. Eine unzureichende Bodentragfähigkeit, besonders in Verbindung mit dynamisch einwirkenden Kräften, kann das Einbrechen oder Einsinken einer Kranabstützung in den Boden zur Folge haben. Geschieht dies, ändert sich schlagartig das Verhältnis von Kippmomenten zu Standmomenten, ohne dass die LMB etwas dagegen ausrichten kann. Der Kran kippt und stürzt um, der Kranführer hat in diesem Augenblick keine Handlungsmöglichkeit mehr.

Eine ausreichende Bodentragfähigkeit für die maximal auftretenden Stützkräfte des Kranes ist daher die entscheidende Voraussetzung für einen sicheren Kraneinsatz. Die Bodentragfähigkeit kann der Kranführer in der Regel nicht konkret ermitteln. Ein Schätzwert ist nicht ausreichend, um bei unsicheren Bodenverhältnissen die erforderliche Abstützfläche zu bestimmen. Es müssen daher bei der Arbeitsvorbereitung Angaben zur Bodentragfähigkeit durch den Kranbetreiber beim Auftraggeber eingeholt werden. Liegen die Werte der Bodentragfähigkeit vor, können die erforderlichen Vorbereitungsmaßnahmen ermittelt und vereinbart werden. Dies können z. B. die Verdichtung des Untergrundes am vorgesehenen Aufstellplatz des Kranes durch den Auftraggeber oder der Einsatz von ausreichend großen Abstützplatten (Baggermatratzen) sein. Eine Methode von begrenzter Wirksamkeit ist das gebräuchliche Unterlegen von Hartholzabschnitten zu einer geschlossenen Fläche. Ist eine größere Unterbaufläche oder ein Höhenausgleich erforderlich, reicht die auf dem Fahrzeugkran mitgeführte Anzahl von Unterleghölzern oft nicht aus, um eine ausreichend große Fläche daraus zu erstellen. Es ist sinnvoll, die Größe der Abstützfläche über das Mindestmaß hinaus zu bemessen.

Auch auf den Anfahrtswegen ist eine ausreichende Bodentragfähigkeit erforderlich, denn bereits bei der Anfahrt zum Aufstellplatz können Fahrzeuge und Fahrzeugkrane wegen zu geringer Bodentragfähigkeit umkippen oder steckenbleiben.

Windeinwirkung

Die Gefahr durch Windeinwirkung auf den Kran darf nicht erst bei Sturm beachtet werden. Bereits bei relativ geringen Windgeschwindigkeiten kann der Strömungsdruck über die Windangriffsflächen des Kranauslegers und der Last große Kräfte erzeugen, die Standsicherheit und Bauteilsicherheit des Kranes gefährden. Zur Einschätzung, bis zu welcher Windstärke ein Kran sicher betrieben werden kann, ist die Betriebsanleitung des Kranherstellers wichtig. Auskünfte zu diesen Fragen können auch direkt mit dem Hersteller erörtert werden.

Die zusätzlichen Kräfte durch Windeinwirkung treten nicht nur bei telekopierbaren Auslegersystemen auf, sondern auch bei Gittermastkonstruktionen. Umströmt die Luft die einzelnen Stäbe eines Gittermastes, entstehen Verwirbelungen und Unterdrücke, die zusätzlich auf den Ausleger einwirken. Diese Windkräfte können beträchtlich sein und wirken außerhalb der Schutzfunktion der LMB.

Auf die Last wirkt sich Wind ebenfalls aus. Leichte Lasten mit großer Fläche, z. B. leere Container, können im Wind wie ein Segel wirken. Die auftretenden Windkräfte und Schwingungen werden in den Kran eingeleitet. Die Windeinwirkung auf die Last wirkt sich auch auf die Sicherheit der Anschlagmittel aus. Einen bestimmten Flächenanteil pro Tonne Last setzen Hersteller bereits in den Betriebsanleitungen voraus, wenn sie Angaben zu den Grenzen der Kranarbeit bei Windeinwirkung machen. Über die dort angegebenen Grenzen hinaus ist ein sicherer Hebevorgang nicht gewährleistet.

Ein gefährliches und nicht seltenes Ereignis sind böige Winde. Windböen treten plötzlich auf und sind von kurzer Dauer; innerhalb wenigen Sekunden treten sie auf mit Windgeschwindigkeiten, die den 10-Minuten-Mittelwert der Windgeschwindigkeit um mindestens 5 m/s überschreiten. Wegen der dynamischen Wirkung der zusätzlichen Kraft auf Kran und Last stellen sie ebenfalls eine Gefährdung für Stand- und Bauteilsicherheit des Kranes sowie der Sicherheit der Last dar.

Elektrische Energie

Einwirkung elektrischer Energie auf einen Fahrzeugkran ist gefährlich für den Kranführer und die Personen in der Umgebung des Kranes. Vor dem Kraneinsatz muss alles unternommen werden, um diese Einwirkung zu verhindern. Elektrische Energie kann durch Berührung mit spannungsführenden Teilen, durch Übersprung auf den Fahrzeugkran oder durch statische Aufladung wirken. Sie ist grundsätzlich in Freileitungen und deren Umgebung zu erwarten. Auch Wetterphänomene wie Blitzschlag und statische Aufladung der Atmosphäre können die Sicherheit des Kranes beeinträchtigen. Mögliche Auswirkungen sind technische Defekte an stählernen Bauteilen durch Beeinträchtigung der Werkstoffeigenschaften, Entzündung brennbarer Teile bis zum Vollbrand des Kranes und Schäden an der elektrotechnischen Anlage des Kranes. Die elektronischen Steuerungen moderner Fahrzeugkrane können durch die Einwirkung des elektrischen Stromes ausfallen oder so weit beeinträchtigt werden, dass der Kran nicht mehr zu bewegen ist.

Von einer elektrischen Leitung ausgehende elektrische Energie kann nicht nur auf den Kran wirken, sondern auch in seiner Umgebung. In einem Radius von rund 20 m um den Kran ist bei Berührung des Erdbodens mit gefährlicher Einwirkung elektrischer Energie zu rechnen. Die elektrische Aufladung im Erdboden ist stark genug, um beim Betreten des "Spannungstrichters" einen tödlichen elektrischen Schlag zu verursachen.

Die wirksamste Schutzmaßnahme ist das Freischalten und Erden spannungsführender Teile. Ist dies nicht möglich, muss ein Sicherheitsabstand zwischen den äußeren Begrenzungen des Kranes bzw. der Last und den spannungsführenden Teilen eingehalten werden. Bei unbekannter Nennspannung sind dies mindestens fünf Meter. Weil Entfernungen nicht präzise eingeschätzt werden können, ist es besser, den Sicherheitsabstand großzügiger zu bemessen. Um den Sicherheitsabstand einzuhalten, können Einrichtungen wie Arbeitsbereichsbegrenzungen eingesetzt werden.

Auch das Verfahren von Kranen mit angehobenem Ausleger kann zu einer gefährlichen Situation führen. Daher muss vor dem Verfahren des Kranes sichergestellt werden, dass keine spannungsführenden Einrichtungen im oder unmittelbar am Verkehrsweg vorhanden sind und keine Gewitter aufziehen.

Tritt elektrische Energie in den Kran ein, ist von einer Beschädigung auszugehen. Stahlbauteile, das Hubseil oder die Steuerung können beeinträchtigt sein. Der Betrieb muss eingestellt und die Prüfung des Kranes durch einen Sachverständigen veranlasst und durchgeführt werden, bevor der Kran in den nächsten Einsatz gehen darf!

Kollision mit feststehenden Einrichtungen oder beweglichen Arbeitsmitteln

Stößt ein Kran an Einrichtungen oder mit dem Ausleger eines anderen Kranes zusammen, wirken Kräfte auf den Kran, die Stand- und Bauteilsicherheit des Kranes gefährden. Die Bewegung kraftbetriebener Teile eines Fahrzeugkranes sind zusätzlich eine Gefahr für Personen und Einrichtungen in der Umgebung des Kranes (Stoßen, Quetschen).

Fahrzeugkrane müssen so aufgestellt werden, dass zwischen den kraftbetriebenen Teilen des Kranes und festen Einrichtungen in der Umgebung ein Sicherheitsabstand von 0,5 m erhalten bleibt. Der Einsatz von Arbeitsbereichsbegrenzungen kann geeignet sein, das Anstoßen des Auslegers an feste Einrichtungen zu verhindern.

Überschneiden sich die Arbeitsbereiche mehrerer Krane, muss vor Beginn der Arbeiten der Arbeitsablauf festgelegt und eine einwandfreie Verständigung der Kranführer untereinander sichergestellt werden. Die Zusammenarbeit muss abgestimmt werden. Ein Verweis auf "Besondere Tätigkeiten und Einsätze – Gleichzeitiger Einsatz mehrerer Krane"muss angebracht werden.

Bei der Aufstellung von Fahrzeugkranen muss sichergestellt werden, dass Fahrzeuge oder selbstfahrende Maschinen den sicheren Kranbetrieb nicht beeinträchtigen können. Unter Umständen müssen Verkehrswege zeitweise gesperrt werden, um den Kran sicher betreiben zu können.

Artikelaktionen