Mögliche Gefährdungen durch Geruchsereignisse in Flugzeugen

Stand der Erkenntnisse der BG Verkehr

In Flugzeugen treten immer wieder und aus unterschiedlichen Ursachen Gerüche auf, die man als unangenehm empfindet und denen man im Flugzeug nicht ausweichen kann. Bei den meisten Verkehrsflugzeugen wird die Frischluft für Kabine und Cockpit an den Triebwerken als sogenannte Zapfluft (Bleed Air) abgegriffen. Bei diesem Vorgang kann es zum Eintrag von geringen Mengen von Ölen oder deren Zersetzungsprodukten in die Luftströmung kommen. Die BG Verkehr beschäftigt sich deshalb seit einigen Jahren intensiv mit der Frage, ob aus diesem Vorgang oder auch aus Gerüchen anderer Ursache Gefährdungen für die Gesundheit von Crewmitgliedern und Passagieren erwachsen können.

Lange Zeit stand Trikresylphosphat (TCP), ein Organophosphat und chemischer Zusatzstoff des Turbinenöls, im Verdacht, gesundheitliche Beschwerden auszulösen. Das hat sich bisher trotz umfangreicher Untersuchungen nicht bestätigt. Aktuell wird diskutiert, ob eine Reihe von Substanzen aus der Gruppe flüchtiger organischer Verbindungen und anderer Stoffe aus der Gruppe der Organophosphate für Gesundheitsbeschwerden relevant sein könnten.

Die BG Verkehr hat Untersuchungen initiiert, um einer Reihe von akuten und chronischen Gesundheitsbeschwerden auf die Spur zu kommen, über die im Zusammenhang mit unangenehmen Gerüchen in Luftfahrzeugen berichtet wird. Zuletzt durch ein zeitlich begrenztes Biomonitoring, das derzeit wissenschaftlich ausgewertet wird. In Zusammenarbeit mit den Luftfahrtgesellschaften wird außerdem an technischen und organisatorische Maßnahmen gearbeitet, um die Anzahl von Ereignissen mit eindringenden Öldämpfen zu minimieren.

Das Standardverfahren nach einem Fume- and Smell-Event

Um die Betreuung der Betroffenen zu optimieren und die Dokumentation der Fume-Events zu vereinheitlichen, hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einen Ablaufplan entwickelt, der als Standardverfahren bezeichnet wird. Das Verfahren entstand in Abstimmung unter anderem mit dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und mit Beteiligung der medizinischen und betriebsärztlichen Dienste der Fluggesellschaften, Vertretern der Crews und Fluggesellschaften. Das Verfahren wurde 2017 aktualisiert und stellt unter anderem sicher, dass bei Bedarf spezifische Untersuchungen und Laborwerte erhoben werden.

Die BG Verkehr rät allen Betroffenen, bei gesundheitlichen Beschwerden möglichst kurzfristig nach einem Fume- and-Smell-Event einen Durchgangsarzt aufzusuchen. Er untersucht die Betroffenen und kann dabei auf das medizinische Standardverfahren zurückgreifen, das als Basis für die medizinische Diagnostik empfohlen wird.

Durchgangsärzte sind selbstverständlich wie alle anderen Ärzte weisungsfrei in der Ausübung ihrer medizinischen Tätigkeit. Sie entscheiden, ob sie einen Patienten krankschreiben und welche Untersuchungen sie veranlassen. In Deutschland gibt es rund 4.000 niedergelassene oder an Krankenhäusern und Kliniken beschäftigte Ärzte, die im Auftrag aller gesetzlichen Unfallversicherungsträger als Durchgangsärzte tätig sind.

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Unabhängig davon tragen die Unternehmer die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Sie haben für die Meldung eines Fume-Events und die Versorgung der Beschäftigten im Ausland Regelungen getroffen. Während der jährlichen Unterweisungen über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit werden diese Maßnahmen vermittelt.

Unfallanzeigen melden an: hamburg@bg-verkehr.de

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