Fahrerassistenzsysteme

Auf unseren stark befahrenen Straßen müssen die Verkehrsteilnehmer vieles gleichzeitig beachten und im Auge behalten. Durch die Bereitstellung und Nutzung von Fahrerassistenzsystemen (FAS) lässt sich das grundsätzliche Risiko eines Verkehrsunfalls deutlich reduzieren. Moderne FAS sorgen dafür, dass kritische Situationen entweder gar nicht entstehen, oder helfen dem Fahrpersonal, sie zu bewältigen.

Anzeige der Geschwindigkeitskontrolle im Fahrzeug

Vorsicht bei Deaktivierung

FAS haben auch ihre Grenzen, sei es, dass der Radarsensor für den Notbremsassistenten durch Schneefall nicht mehr funktioniert oder der Spurassistent bei überlagerten Markierungen in Baustellen Fehlwarnungen liefert. In diesem Fall genügt die Deaktivierung des jeweiligen Systems. Andere Systeme sollten eingeschaltet bleiben. Anschließend ist es wichtig, die FAS wieder zu aktivieren – was leider oft vergessen wird! Welche FAS für Fahrzeuge geeignet und notwendig sind, entscheidet sich nach dem jeweiligen Einsatzzweck.

Das fordert bzw. empfiehlt die BG Verkehr:

  • FAS sollen sich nach einer bestimmten Zeit automatisch reaktivieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Systeme im Notfall zur Verfügung stehen und Unfälle vermeiden.
  • FAS sollen immer eingeschaltet sein, um unterstützen zu können. Für Unternehmer empfiehlt sich, eine Dienstanweisung zur Aktivierung von FAS zu erlassen.

Finanzielle Unterstützung für Unternehmen im Güterkraftverkehr

Werden Fahrzeuge neu angeschafft oder mit Assistenzsystemen, die die Sicherheit beim Fahren erhöhen, nachgerüstet, sind Zuschüsse durch das Förderprogramm „De-minimis“ grundsätzlich möglich. Zu den Einzelheiten informiert das Bundesamt für Güterkraftverkehr.

Engagement der BG Verkehr

Bereits in der Vergangenheit hat sich die BG Verkehr für die Entlastung der Fahrer durch Fahrerassistenzsysteme stark gemacht und eine Förderung im Rahmen der Kampagne „Sicher. Für Dich. Für Mich.“ bereitgestellt. Eine Senkung der Unfallhäufigkeit um ein Drittel bei mit FAS ausgestatteten Fahrzeugen konnte in der kampagnenbegleitenden Studie nachgewiesen werden.

Resümee der wissenschaftlichen Begleitung der Aktion „SICHER. FÜR DICH. FÜR MICH.“

Im November 2016 veranstaltete die BG Verkehr eine Branchenkonferenz zum Thema Abbiegeunfälle. Ziel war es, mit Fachleuten, Herstellern und Betroffenen ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu diskutieren.

Fahrerassistenzsysteme im Überblick

Abbiegeassistent

Der Abbiegeassistent unterstützt beim Rechtsabbiegen. Bei Kollisionsgefahr mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen oder Verkehrsteilnehmern wird das Fahrpersonal je nach System optisch, akustisch oder mit beiden Warnsignalen gewarnt.

Notbremsassistent (ABA)

Der Notbremsassistent (ABA) nutzt die Sensorik des Abstandsregeltempomaten. Wird der Abstand zu gering, erfolgt zunächst eine optische und akustische Warnung des Fahrers. Greift der Fahrer nicht ein, wird das Fahrzeug automatisch mit einer Leistung von etwa 20 Prozent abgebremst. Nimmt der Abstand weiterhin ab und zeigt der Fahrer noch immer keine Reaktion, wird das Fahrzeug mit der höchstmöglichen Bremsleistung abgebremst – es erfolgt die sogenannte "Notbremsung".

Spurverlassenswarner und Spurhalteassistent

Der Spurverlassenswarner (Lane Departure Warning System – LDWS) und der Spurhalteassistent (Lane Keeping Assist System - LKAS) ermitteln kontinuierlich die Position des Fahrzeugs in der Spur. Das LDWS warnt bei Unterschreitung des Abstandes zur Fahrbahnmarkierung. Das LKAS korrigiert die Längsführung durch Eingriff in die Lenkung.

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)

Das Fahrdynamik-Regelsystem (Electronic Stability Control – ESC) greift bei kritischen Fahrsituationen in die Motorsteuerung ein, bremst gezielt einzelne Räder ab und stabilisiert das Fahrzeug.

Kamera-Monitor-Systeme (KMS)

KMS unterstützen beim Rangieren, Rückwärtsfahren und anderen Aufgaben. Dabei werden je nach Aufgabe, wie Vorwärts-, Rückwärtsfahrt oder Abbiegen, spezielle Kameras eingesetzt, die z. B. zur Umfelderfassung genutzt werden.

Flyer "Kamera-Monitor-Systeme (KMS) zur Vermeidung von Abbiege unfällen"

Rückfahr-Assistenzsysteme (RAS)

Rückfahr-Assistenzsysteme weisen beim Rückwärtsfahren optisch und akustisch auf Personen und Objekte hin. Verschiedene Systeme bremsen automatisch ein.

Automatische Feststellbremse

Die automatische Feststellbremse wird aktiviert, wenn die Fahrerin bzw. der Fahrer keine Bedienung mehr ausübt und den Fahrersitz verlässt. Die Feststellbremse kann erst wieder gelöst werden, wenn Fahrerin bzw. Fahrer sich in Bedienbereitschaft befindet oder mit entsprechenden Handlungen ihren bzw. seinen Fahrwunsch signalisiert.

Spurwechselassistent

Der Spurwechselassistent (Blind Spot Intervention System – BSIS) warnt beim Fahrstreifenwechsel vor einer möglichen Kollision mit anderen Fahrzeugen durch optische, akustische und/oder taktile Signale.

Aufmerksamkeitsassistent

Der Aufmerksamkeitsassistent erkennt Bedienungenauigkeiten bereits in einer frühen Phase und warnt Sie. Er erfasst unter anderem Lenkradbewegungen, Blinker- und Pedalbetätigungen.

Abstandsregeltempomat (ACC)

Der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control – ACC) kontrolliert den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und passt die Geschwindigkeit und den Abstand automatisch durch Motorsteuerung und Bremseingriff an. Der ACC erfüllt nicht die Funktion eines Notbremsassistenten.

Seitenwindassistent

Der Seitenwindassistent kann das Fahrzeug bei kräftigen Windböen in der Spur halten und ggf. so ein Abkommen des Fahrzeugs von der Fahrbahn verhindern.

Seminare

Artikelaktionen